Die große Pause - Corona und die Folgen

Als Kinder freuten wir uns in der Schulzeit,
wenn die Klingel schellte und es hieß:
Große Pause!
Freie Zeit, sich austoben, laut schwatzen, essen und trinken,
ausspannen und sich freuen.
Als Erwachsene freuen wir uns im Jahreslauf,
wenn der Urlaub bevorsteht und es heißt:
Große Pause!
Freie Zeit, sich auspowern, reisen, Freunde besuchen,
ausspannen und sich freuen.
Heute sind wir verwirrt und verunsichert,
denn so etwas haben wir noch nicht erlebt - weltweit:
Große Pause!
Kaum Freude, vielmehr Angst macht sich breit.
Wir haben viel zu verlieren.
Im Extremfall das Leben von uns oder uns wichtigen Menschen.
Große Pause
Was tun mit der vielen Zeit?
Was tun auf dem engen Raum, der geblieben ist?
Was tun ohne die lebendigen Berührungen?
Was tun - mit mir selbst?
Große Pause
sind das nur Leerräume von Zeit und Leben,
Einschränkungen und Verluste ohne Sinn?
Mir fällt auf:
Ein Lied, die Musik hat den eigenen Rhythmus und Takt,
durch die Pausen, kleine und große
- zwischen den Noten.
Ein gutes Gespräch miteinander braucht Pausen,
manchmal große Pausen nach starken Worten.
Zeiten des Zuhörens und Schweigens,
Zeiten zum Nachdenken und Verstehen.
Mühe und Arbeit braucht manchmal große Pausen,
um sich zu erholen,
"zu sich zu kommen"
und so ausdauernd und gut zum Ziel zu kommen.
Die Natur braucht ihre großen Pausen
im Winter, in Ruhezeiten, in zu großer Hitze,
um sich immer wieder zu erneuern.
So hat die große Pause ihren Sinn.
Es liegt an mir, was ich in ihr mache,
wie ich sie empfinde und gestalte.
Viele Menschen brauchen Entlastung,
weil sie im Dienst für die Allgemeinheit
keine große Pause machen können,
weil sie krank sind
vor Angst und Einsamkeit.
Ich kann ihnen
etwas von meiner großen Pause geben,
wenn ich will.
Denn ich bin reich
an Zeit.
Volker Collinet (April 2020)