St. Martin 17: Religion rechtfertigt keine (tödliche) Gewalt gegen Andersgläubige

Martinus kämpfte vergeblich gegen die Todesurteile für Mitglieder einer christlichen Sekte
Im Alter von fast achtzig Jahren ging Martinus von Tours zum letzten Mal in die Kaiserstadt Trier. Er wollte seinen ganzen Einfluss aufbieten, um das Todesurteil für Mitglieder einer christlichen Sekte um den Spanier Priscillian zu verhindern. Es wäre das erste Mal gewesen, dass Christen über andere Christen ein Todesurteil beschließen würden.
Für Martinus stand nicht nur das Leben dieser zum Tode Verurteilten auf dem Spiel. Es ging dabei auch um die Glaubwürdigkeit des Christentums als Religion. Dieses Verhalten widersprach der christlichen Lehre, für die Martinus stand, ganz grundsätzlich. Martinus sah in jedem Menschen einen Bruder bzw. eine Schwester des Herrn Jesus Christus. Er dachte an die Gebote der Bergpredigt Jesu über die Feindesliebe, das Verbot, Gewalt anzuwenden und das Verbot, (selbstherrlich) zu richten über andere.
Leider blieben alle Versuche von seiner Seite erfolglos und die erste Ketzer-Verbrennung im Namen des christlichen Glaubens fand vor dem Kaiserpalast (Basilika) in Trier statt.